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26.05.07 20:47 Alter: 5 Jahr(e)
Ju-Jutsu EM 2007 in Turin Kategorie: Wettkampf Chaotische Organisation und magere Ausbeute für den DJJV Vorbemerkung: Gleich vorab möchten wir uns entschuldigen, dass diesmal der Bericht nicht zeitnaher und von jedem Tag extra ins Netz gestellt wurde. Aber in einem Hotel mit den verschiedensten Mängeln verwunderte es auch nicht, dass der einzige Internet-Zugang im ganzen Haus defekt war. Der 1. Wettkampftag: Auch die Leistung einiger Kampfrichter entsprach in keiner Weise dem, was man bei einer internationalen Meisterschaft erwarten kann. Anmerken möchten wir übrigens, dass alle im folgenden Text enthaltenen negativen Bemerkungen über Kampfrichter sich nicht auf alle beziehen - da täte ich den vielen guten Kampfrichtern einfach unrecht! (nicht umsonst sind gerade die deutschen Referees weltweit sehr hoch angesehen) Die Anzahl und Art der Fehleinscheidungen war bei dieser Meisterschaft jedoch so auffällig, dass sie nicht unerwähnt bleiben kann! Insgesamt konnte der DJJV mit der Ausbeute des ersten Tages - zweimal Bronze im Fighting und keine einzige Medaille im Duo – nicht zufrieden sein. Man muss jedoch auch sehen, dass diesmal zahlreiche Nachwuchs-Kaderathleten am Start waren, für die ein Dritter oder auch Fünfter Platz bei einer so hochstehenden internationalen Begegnung schon eine durchaus respektable Leistung darstellt. Fakt ist aber auch, dass keine Nation mehr so herausragend dominieren konnte wie in der Vergangenheit, sondern dass der Medaillenspiegel immer weiter gefächert wird… Damen bis 55 kg Problemlos gestaltete sich nach einem Freilos der Auftaktkampf von Dagmar Feser gegen die Polin Monika Dikow. Mit 13:2 Punkten zog sie klar in die dritte Runde ein. Leider ebenso klar fiel anschließend die Niederlage gegen die Vizeweltmeisterin Linda Lindstrøm aus Schweden aus. Im Kampf um Platz 3 traf sie auf die Montenegrinerin Tanja Jabucanin. Feser agierte etwas zu nervös, die Kampfrichter sehr penibel – keine gute Mischung, die letztendlich zur unnötigen, aber letztendlich korrekten Disqualifikation der Deutschen führte. Herren bis 69 kg Zunächst sah es im Auftaktkampf zwischen Andrei Cesek aus Slowenien und Alexander Reichert (Deutschland) nach einer klaren Sache für den DJJV-Kämpfer aus, der bereits nach kurzer Zeit über einen deutlichen Punktevorsprung verfügte. Dann stellte sich Cesek auf den Schlagabtausch ein und erreichte praktisch mit dem Schlussgong den Ausgleich. Durch mehr Punkte in der Unterbewertung zog dann allerdings doch Reichert in die nächste Runde ein. Die Freude währte jedoch nur kurz: Nach einem Protest der Slowenen ging der Kampf, rund eine Stunde später (!?!), in die Verlängerung. Hier wurde Reichert nach zwei umstrittenen Chui disqualifiziert und in die Trostrunde verwiesen. Jetzt ließ Reichert gegen den Belgier Nicky Covyn und den Rumänen Eduard Rotaru allerdings nichts mehr anbrennen und kam zu klaren Punktesiegen. Den Slowenen Cesek, gegen den er in der Vorrunde die umstrittene Niederlage hatte einstecken müssen, fegte er beim Kampf um den Einzug ins kleine Finale sogar vorzeitig von der Matte. Die Bronzemedaille errang Reichert wegen Aufgabe des Polen Dariusz Swierzc letztendlich kampflos. Duo Herren Dynamisch und präzise präsentierten sich die Duo-Herren Florens Goldbeck und Felix Schmidt. Souverän kamen sie daher auch zu klaren Siegen über die Teams aus Russland und Rumänien. Die amtierenden Weltmeister Remo und Pascal Müller aus der Schweiz waren dann jedoch für das noch sehr junge deutsche Duo (wie auch für alle anderen Gegner) eine Klasse zu hoch. Beim Kampf um Platz 3 gegen die Franzosen waren die ständig schwankenden Bewertungen der Kampfrichter auch für fachkundiges Publikum nur schwer nachvollziehbar. Das knappe Ergebnis zu Ungunsten der Deutschen geht letztendlich in Ordnung – die Kampfrichterleistung waren aber leider symptomatisch für einen Großteil der Veranstaltung. Herren über 94 kg Harte Gegner hatte Carlo Clemens im Superschwergewicht. Nach einer Niederlage gegen den Montenegriner Novica Milovic traf er in der Trostrunde ausgerechnet auf den mehrfachen Welt- und Europameister Frédéric Husson aus Frankreich. Trotz tapferer Gegenwehr war die Meisterschaft damit für ihn beendet. Damen bis 70 kg Mit klaren Punkten in allen drei Parts fertigte die Vizeweltmeisterin Sonja Kinz ihre Auftaktgegnerin Izabela Adamczyk aus Polen ab. Dann traf sie auf die französische Spitzenkämpferin Melanie Lavis, die zuvor die holländische Weltmeisterin Lindsay Wyatt haushoch deklassiert hatte. In einem leider auch etwas gegen Kinz geschiedsten Kampf stand es am Ende 8:8 unentschieden. In der Verlängerung versagte Sonja, die bereits am Vortag unter gesundheitlichen Problemen litt, die Kondition, so dass sie vorzeitig das Handtuch werfen musste. Im Kampf um Platz Drei kam Kinz letztendlich zu einem unspektakulären aber eindeutigen Arbeitssieg über die Norwegerin Margaret Aase und damit zu einer verdienten Bronzemedaille. Duo Damen Ein unglückliches Los zogen die Duo-Damen Nadin Altmüller und Stefanie Satory. Da die italienischen Kämpfer/innen als Lokalmatadore bei dieser Meisterschaft fast grundsätzlich bevorzugt wurden, konnte nur eine deutlich bessere Leistung den Sieg garantieren. Da das italienische Team jedoch eine durchaus ansprechende Show bot, mussten unsere Damen in die Trostrunde. Keine Probleme bereitete hier das schwedische Team - 89:86 das klare Ergebnis. Unverständlich waren anschließend aber die Wertungen gegen Montenegro. Hier wurden nach Meinung des Publikums Exoten „nach oben geschossen“ und die Deutschen aus dem Turnier geschiedst. Herren bis 85 kg Die Urteile gegen den deutschen Kader rissen nicht ab. So mussten sich die Kampfrichter nicht lange beraten, als sie im Auftaktkampf von Richard Olma gegen den Bulgaren Borislav Kissev einen sauberen Ippon-Fausttreffer, der zunächst auch so gewertet worden war, in einen verbotenen Fauststoß und damit die Disqualifikation „verwandelten“. In der Trostrunde punktete Olma den Montenegriner Vasko Boljevic klar aus. Das Ende kam dann aber im dritten Durchgang denkbar knapp, in der Unterbewertung, gegen den Schweden Marcus Eriksonn. Der 2. Wettkampftag Wer geglaubt hatte, das Chaos des Vortages sei nicht mehr zu unterbieten, der sah sich getäuscht. Willkürliche Änderungen der Kampfpaarungen und teilweise unverständliche Punktewertungen prägten das Bild. Frauen bis 62 kg Eine Zitterpartie wurde der Auftaktkampf von Carina Neupert gegen die Polin Martyna Bieronska. Mit dem Schlussgong landete Neupert einen Faustippon und erreichte damit trotz einem Punkt Rückstand (11:12) das Full House (Regeltechnisch korrekter Ausdruck: Full Ippon). Trotz heftigen Protests des polnischen Teamchefs bestätigten die Kampfrichter das korrekte Ergebnis. Nach einer technisch hochstehenden und fairen, aber gegen die erfahrene Schwedin Jessica Tanzilli Jansson nicht zu gewinnenden Begegnung zog Neupert in den Kampf um Platz 3 ein. Hier wuchs sie völlig über sich hinaus und bot der hoch favorisierten Spitzenkämpferin Judith de Weerd aus Holland in allen drei Parts Paroli. Mit einem deutlichen Punktesieg holte sich Neupert damit eine nicht unbedingt erwartete aber umso mehr verdiente Bronzemedaille. Duo Mixed Souverän und präzise präsentierte sich das neue Mixed Duo des DJJV, Sina Sobbe und Steven Koch. Die erste Runde, gegen Slowenien, ging daher klar an das deutsche Team. In der nächsten Begegnung, gegen Schweden, lagen Sobbe und Koch zunächst knapp in Führung. Erst mit der Wertung im Waffen-Part zogen die Schweden gleich. In der Verlängerung spielten die Nerven einen Streich und das deutsche Team machte einen kleinen Fehler, der bei der Wertung entscheidende Punkte kostete. In der Trostrunde kam man gegen das Team aus Polen zunächst klar eine Runde weiter. Dann ging es – entgegen der offiziellen Listenführung – gegen das Team Österreich, das den Deutschen den weiteren Weg Richtung Bronze verbaute. Herren bis 77 kg Keine Chance ließ der Russe Igor Rudnev dem DJJV-Kämpfer Georg Knebel in der Auftaktbegegnung. Insbesondere beim Bodenkampf konnte er durch mehrere Beinhebel entscheidende Punkte sammeln. Auch in der Trostrunde konnte Knebel nicht an seine Erfolge im Jugendbereich anknüpfen und schied gegen seinen ukrainischen Gegner endgültig aus. Herren bis 62 kg Zunächst verlief der Erstrundenkampf zwischen Andreas Dold und dem Polen Szymon Pezda ausgeglichen. Dann landete der Pole allerdings einige gute Treffer und ließ sich die Führung nicht mehr nehmen. Gegen den Montenegriner Vence Jakimovski und den Slowenen Marko Sinkonja kam Dold dank souveräner technischer und taktischer Leistung jeweils eine Runde weiter. Im nächsten Kampf hatte er dann aber gleich „vier Gegner“: Den Niederländer John Zwalfe und drei Kampfrichter. Egal was Dold machte, die Punkte gingen meistens an den Holländer, der darüber hinaus mehrfach ungestraft von der Matte flüchtete. Selbst der faire holländische Teamchef äußerte Unverständnis über den Sieg seines Kämpfers. Herren bis 94 kg Pech hatte Uwe Steinmetz, als er im Auftaktkampf zwar nach Punkten zurück lag, jedoch schon Ippon in Part I und Part III für sich verbuchen konnte. Praktisch beim Schlussgong gelang ihm ein klarer Ippon-Wurf, der jedoch nicht mehr „innerhalb der Kampfzeit“ gewertet wurde. Im ersten Kampf der Trostrunde setzte sich Steinmetz dann vorzeitig gegen den Serben Aleksandar Petrovic mit Ippons in allen drei Parts durch. Der Ukrainer Leonid Rubtsov hielt jedoch im anschließenden ausgeglichenen Schlagabtausch sicher mit und hatte am Ende das Glück auf seiner Seite. Damen über 70 kg Zumindest ein Kämpfer, bzw. eine Kämpferin, des deutschen Teams schaffte den Weg ganz nach oben aufs Treppchen: Seher Dumanli kam in ihrer ersten Begegnung zu einem knappen Sieg gegen die Dänin Taja Luthje. Anschließend lieferte sie sich ein hartes, ausgeglichenes Gefecht mit der Französin Celine Pivot. Kurz vor Ende der Kampfzeit startete Dumanli ein Feuerwerk an Schlag- und Tritttechniken. Mit einem deutlichen Punktevorsprung ging sie damit in den Endkampf gegen die Holländerin Albertine Los. Was die Kampfrichter in dieser Begegnung „zusammenschiedsten“ war jedoch selbst für einen Laien nicht mehr verständlich. Als Seher stolperte, wurde das als Wurf-Ippon für ihre Gegnerin gewertet. Dafür gingen ihre Punkte für einen perfekten Ausheber an die Holländerin. Dass Dumanli am Ende verdient doch noch ein Gold nach Deutschland holte, ging nur auf ihren großen Einsatz und den damit verbundenen hohen Punktevorsprung zurück. Wenigstens einmal durfte man bei dieser Veranstaltung die Deutsche Nationalhymne hören, die von den angereisten Fans lautstark mitgesungen wurde. Ein versöhnlicher Abschluss der ansonsten nicht gerade optimalen Veranstaltung. Mehr zur EM in der Juli-Ausgabe des Ju-Jutsu Journal. Georg Kulot & Anja Sträche Medienteam des DJJV
Ergebnisse Herren
bis 62 kg 1. Anders Lauridsen, Dänemark
bis 69 kg 1. Marco Baretti, Italien
bis 77 kg 1. Gael Grimaud, Frankreich
bis 85 kg 1. Hector Nacimiento, Spanien
bis 94 kg 1. Alexey Veselovzoroz, Russland über 94 kg 1. Rob Haans, Holland
Damen
bis 55 kg 1. Annabelle Reydy, Frankreich bis 62 kg 1. Jessica Tanzilli Jansson, Schweden
bis 70 kg 1. Melanie Lavis, Frankreich
über 70 kg 1. Seher Dumanli, DEUTSCHLAND Duo
Herren 1. Remo & Pascal Müller, Schweiz
Damen 1. Silvia Alvarez & Angelique Dekker-Poort, Holland
Mixed 1. Vibeke Haans & Thomas Darholt, Dänemark |
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