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26.08.07 11:29 Alter: 3 Jahr(e)

Bundesseminar 2007 erfolgreich abgeschlossen

Kategorie: DJJV, Lehrgänge, Jiu-Jitsu, Ju-Jutsu

Von: Herbert Frese

„Tradition und Moderne“

„Der Deutsche Ju-Jutsu Verband und die Sportschule Bad Blankenburg gehören zusammen!“ Mit dieser Aussage begrüßte der Leiter der Sportschule die über 300 Ju-Jutsuka, Jiu-Jitsuka und Budosportler zu ihrem traditionellen einwöchigen Bundesseminar im August. In einer der schönsten Sportschulen Europas wurde ein Angebot in einer Breite angeboten, das es so noch nicht gegeben hat.

Als Verbandspräsident möchte ich den Seminarbericht selbst übernehmen, da sich rund um die sportliche Arbeit auch zahlreiche sportpolitische Dinge im Rahmen dieser Trainingswoche ereignet haben.

Ganz bewusst waren die Bereiche des DJJV vertreten, in denen sich im Moment viel Neues tut. Die Jugend, der Schulsport, Formenwettkampf, die Referate Frauen, Ausbildung, Leistungsport sowie JJ für Behörden gestalteten das Seminar aktiv mit.

Mit Peter Schneider und Dirk Schumeier waren auch zwei namhafte Trainer aus dem Jiu-Jitsu-Lager des DJJV als Referenten vor Ort und dokumentierten, dass die Zusammenarbeit zwischen Ju-Jutsu und Jiu-Jitsu innerhalb des Verbandes funktioniert. Mittlerweile sind Inhalte aus dem Jiu-Jitsu in die Übungsleiter- und Trainerausbildung auf Bundesebene eingeflossen, was ein wichtiger Schritt für die Zukunft ist.

Jhonny Bernashewice aus Belgien ist ein Vertreter verschiedener Jiu-Stile und hatte neben Shiatsu (Anmerkung der Redaktion: Schon seit Jahrhunderten praktizierte japanische Entspannungs- und Heilmassage mit den Fingerspitzen) vor allem die Vermittlung von traditionellen Technikausführungen übernommen.

Ein besonderes Highlight waren die Auftritte des Präsidenten der Afrikanischen Ju-Jitsu Union, Colince Tatsa Tchinda aus Kamerun, der schon beim gemeinsamen Aufwärmtraining mit seinem Bewegungsgefühl die Sportlerinnen und Sportler begeisterte. Herr Tatsa Tchinda war auf Einladung des Deutschen Ju-Jutsu Verbandes in Deutschland, wobei er verschiedenste Trainingsstationen besuchte und sich darüber informierte welche Inhalte das Ju-Jutsu in Deutschland bietet. Neben rein schulmäßiger Technikausführung interessierte er sich daher besonders für Spezialgebiete wie Gewaltprävention, Trainingsmethoden oder die Techniken für den Polizeibereich.

Als erfolgreicher Test kann der Einsatz der angehenden Ju-Jutsu Lehrer gewertet werden. Unter der Anleitung des Direktors Ausbildung Steffen Heckele, gaben einige der angehenden Lehrer ihr Debüt auf dem Bundesseminar und streuten so ihr in der Ausbildung erworbenes und erarbeitetes Wissen mit einer speziellen Themengestaltung weiter. Unter anderen mit Wassergymnastik und SV für Frauen war Dr.h.c. (unem) Steven Koch vertreten, Martin Weiss unterrichtete Trainingsplanung im Breitensport und Silvio Birkenwald referierte zu realistischer Messerabwehr.

In Bezug auf die Vermittlung von Trainingsmethodiken und Trainerwissen brillierte Bundestrainer Steffen Heckele mit Themen von Schrittstellungswürfe über Atemitrainingsformen bis Schnelligkeitstraining. Ich wage mal die Prognose, dass diese Form der Methodenvermittlung in den nächsten Jahren einen immer größeren Stellenwert einnehmen wird. Neben der reinen Technikvermittlung, einem Bereich, den auch jeder gute Vereinstrainer und Fachübungsleiter abdecken kann, wird den konditionellen Grundeigenschaften zur Technikdurchsetzung mehr Wert beizumessen sein. Und dieses Wissen können aufgrund der Komplexität und ständig neuer Erkenntnisse in den Sportwissenschaften fast nur noch hochqualifizierte Lehrer, vom A-Trainer bis zum Diplom-Ju-Jutsu-Lehrer, ausreichend aufarbeiten und der Basis weitergeben.

Für Schlag- und Tritttechniken in den verschiedenen Distanzen war Artur Allerborn mit seiner Partnerin Heidi Fischer ein äußerst kompetenter Lehrer. Seit Jahren schon ist Artur Allerborn eine feste Größe beim Seminar und von seiner Qualität der Ausführung von Atemitechniken können wir als Selbstverteidigungsallrounder nur lernen.

Ein besonderes Anliegen der Verbandsarbeit ist die Förderung von Frauen. Mit Sabine Felser und Sina Montag referierten bereits zum zweiten Mal zwei Damen mit so genannten Männerthemen. Sabine Felser als dreifache Weltmeisterin und World Games Siegerin deckte unter anderem den Wettkampfbereich mit verschiedenen Themen ab und Sina Montag nahm sich Hebelgrundlagen und Pratzentraining vor.

Als besonderes Highlight wurde von den Teilnehmern auch Emanuel Hart mit seinen Technikflows ansehen. Egal ob Stockkampf oder Weiterführung von abgewehrten Atemitechniken (Drills im Dreierkontakt), die Trainingsstätte war immer bis auf den letzten Platz besetzt.

Mit Sascha Vetter und Matthias Huber gaben zwei Weltmeister ihr Wissen im Bereich Duo-Wettkampf weiter. Diese Trainings sollen aber auch Tipps für das richtige Training der freien Abwehr und die optimale Prüfungsvorbereitung geben. Beide waren aber auch noch mit anderen Themen aktiv. So lobten Teilnehmer, dass niemand Würfe so systematisch aufbaut und erklärt wie Sascha Vetter. Matthias Huber stand neben intensiven Einsatz als Trainer auch im Rahmenprogramm immer als helfende Hand zur Verfügung.

Immer schön locker bleiben, dafür sorgte Simone Müller mit Yoga, Pilates, Gymnastik und mehr. Die Dozentin des Deutschen Turnerbundes brachte viele gute Anregungen für Gymnastik, Warm up und Stabilisationstraining mit.

Da der DJJV mittlerweile ein eigenes Bundesseminar für die Behördenvertreter sehr erfolgreich ausrichtet, kanalisiert sich der Besucherstrom dort hin und so waren nur ca. 30 Polizeiteilnehmer bei Jörg Schmidt und Dieter Gaube zusammen gekommen. Ein eigener Trainingsplan beschäftigte die beamteten Ju-Jutsuka über die Woche. So wurde neben Training mit Laserwaffen eine komplette Ausbildung mit dem Elektro-Taser angeboten. Da das jeweils im Oktober stattfindende Polizeiseminar hoffnungslos überbucht ist und wir einer Anmeldeflut gegenüber stehen, werden wir als Verband im nächsten Jahr uns etwas einfallen lassen und werden der Nachfrage folgend, beim Bundesseminar in Bad Blankenburg für die Behördenvertreter das Angebot nochmals ausbauen.

Der Präsident des ukrainischen Verbandes Victor Malutenko gab einen kurzen Einblick in die osteuropäische Selbstverteidigung und das Konzept der Leibgarde des japanischen Kaisers, das er lehrt. Er präsentierte sich auch am Abschlussabend in bester Feierlaune und zeigte sich persönlichen, wie Fachgesprächen nie abgeneigt, was die Freundschaft und Verbundenheit beider Verbände deutlich untermauerte.

Natürlich waren auch zahlreiche theoretische Themen im Angebot, ebenso wie Formenwettkampf und kindgerechtes Ju-Jutsu.

Insgesamt standen fünf Dojos und weitere Lehrsäle zur Verfügung in denen täglich jeweils fünf Themen angeboten wurden. Hinzu kamen die Theorieeinheiten sowie die Abschlussprüfung der Lehrer.

Nicht-mit-mir beim Bundesseminar:
Zusätzlich zum Bundesseminar gab es die Möglichkeit die nicht-mit-mit Kursleiter für Kids Lizenz zu erwerben. Über 10 Interessierte nahmen es auf sich noch 20 zusätzliche Stunden zu besuchen um sich für die Gewaltprävention fit zu machen. Michael Korn, Matthias Huber und Joe Thumfart leiteten diese Ausbildung (www.nicht-mit-mir.org) . Auch der Arbeitskreis Frauen (für Mädchen und junge Frauen) brachte sich stark in das Programm ein.

Neue Ideen für die Selbstverteidigung für Frauen vermittelte die Frauenreferentin von Rheinland Pfalz Birgit Schlemper. Steven Koch und Bianca Gebhardt zeigten Trainingsmöglichkeiten für extreme Situationen auf. Insbesondere die effektive Gegenwehr am Boden wurde trainiert. Christian Zink und Olaf Richter beleuchteten die Probleme um sexuellen Missbrauch intensiv und gaben Verhaltenstipps für Trainer und Übungsleiter, falls man damit Konfrontiert wird.

Das Projekt „nicht-mit-mir“ wird über die Deutsche Sportjugend vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (www.bmfsfj.de) gefördert.


So viel Angebot gab es noch nie. Unsere Vielseitigkeit als „Zehnkämpfer der Kampfsportarten“, wie wir uns in unserem Leitbild selbst bezeichnen, ist auch unser Erfolg. Eine unerschöpfliche Themenfülle lässt sich aus unserem Sport ableiten und garantiert, dass für einen jeden etwas dabei ist.

Kritik ist natürlich auch aufgekommen:
Nicht alle Teilnehmer konnten in der Sportschule untergebracht werden. Zu diesem Zweck hatten wir, wie bereits im letzten Jahr, ein benachbartes Hotel fest gebucht. Dass das nicht optimal ist, ist uns bewusst. Andererseits wäre die Teilnahme für viele Interessenten sonst eben gar nicht möglich…
Die Werbung für das Bundesseminar werden wir noch etwas nach vorn nehmen und die Referenten noch früher benennen.
Leider sagt auch ein Referent mal ab, so dass Umplanungen notwendig sind, aber insgesamt wollen wir die Haupttrainerinnen und Trainer sehr frühzeitig einsetzen.

Entschuldigen möchte ich mich dafür, dass nicht alle der 24 Trainerinnen und Trainer ausgiebig für ihre Leistung hier im Text gewürdigt werden können. Sich einem kritischen Publikum zu stellen und bei diesem bundesweit wichtigsten Verbandsseminar mit seinem/ihrem Thema zu präsentieren, ist Herausforderung und Ansporn.

Neben dem reinen Training war natürlich noch einiges im „Rahmenprogramm“ geboten:

Am dritten Seminartag gab es das übliche Turnier, allerdings diesmal in den Bereichen Duo und Basiszweikampf. Eine insgesamt sehr kurzweilige Veranstaltung. Innerhalb einer Stunde standen die Sieger im Duo, „Faustkampf auf fünf Treffer“, „Bodenkampf“ und „Wurfkampf auf das erste Berühren der Matte“ fest. So konnte Jonas Kling als erfolgreichster Kämpfer über alle 4 Wettbewerbe geehrt werden. Ein Wettkampf der wirklich jeden einlädt mitzumachen und seine Kräfte ohne Verletzungsrisiko zu messen.

Gaudi pur war die Ultimate Team Challenge. Insgesamt sechs Mannschaften kämpften um den Erfolg. Sprungkraft, Teamfähigkeit, Gelenkigkeit und Reaktion waren gefragt. Das Verlierer dabei auch Stromstöße erhalten klingt zwar sehr seltsam, war aber ungefährlich und lustig. Auch für die Verlierer, denn es konnte nur einen Sieger geben. Die Siegesmannschaft waren übrigens die „Cool Kids“. Mit einem (geschätzten) Altersdurchschnitt von 11 Jahren eine echte Sensation.

Die Kampfsportshow war in diesem Jahr nicht so breit beschickt, dem Bürgermeister von Bad Blankenburg hat es trotzdem gefallen und die Seminarfete am Abschlussabend soll sehr lange gedauert haben.

Eine super Stimmung über alle Tage trägt sicherlich dazu bei, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Seminar in ihren Vereinen reflektieren. Aber auch die Referenten und Funktionäre sind stark motiviert sich für den Sport weiter zu engagieren.

Ein dickes Dankeschön abschließend an unseren Vizepräsidenten Breitensport Harald Born, zuständig für die Seminarlogistik, und den Technischen Direktor Joachim Thumfart, zuständig für den Seminarinhalt. Sie unterrichteten auch selbst, Harald beispielsweise Gegen- und Weiterführungstechniken während Joe neben Einheiten zum Prüfungsprogramm den Ausfall von Michel van Rijt kompensierte und Bodentechniken mit und ohne Gi grundlegend erarbeitete. Aber vor allem standen die beiden bei allen größeren und kleineren Problemen rund um die Uhr als Ansprechpartner zur Verfügung.

Der Termin für das nächste Jahr steht noch nicht hundertprozentig fest. Neben einigen der Referenten aus diesem Jahr sind jetzt schon als „Neue“ fest gebucht: Achim Hanke, Matthias Werner für Grappling, Wolfgang Stier für Tai-Chi und Charlie Scheel mit Aikidotechniken für Ju-Jutsu und dem Einsatz von Musik.

Nach dem Seminar ist vor dem Seminar!

Ich freue mich auf jeden Fall auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr im wunderschönen Bad Blankenburg.

Euer
Herbert Frese
Präsident des DJJV