22.11.06 20:38 Alter: 5 Jahr(e)
Ju-Jutsu für Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen
Kategorie: DJJV, Behindertensport
Von: Enno Häberlein
In den Vereinen und Verbänden des DJJV e. V. trainieren eine große Anzahl von Personen mit den unterschiedlichsten Eigenarten und Interessen. Einige dieser SportkameradInnen haben Beeinträchtigungen. Vor einigen Jahren wurde die Stelle des Direktor Behindertensport im DJJV e. V. geschaffen, um die Interessen der Ju-Jutsuka mit Einschränkung in angemessener Form zu berücksichtigen.
Es existieren keine genauen Zahlen darüber, wie viele SportlerInnen in unserem Verband eine Beeinträchtigung aufweisen. Jedoch davon ausgehend, dass in Deutschland allein 6,6 Millionen Menschen als schwerbehindert gelten (Behinderungen unter einem Grad von 50% werden nicht statistisch erfasst) dürften dies auch eine hohe Anzahl im Verband sein. Ich habe u. a. Kenntnis von Ju-Jutsuka, die eine Seh- und Sinnesbehinderung, körperliche Einschränkungen, Lernbehinderung, geistige Behinderung, Verhaltensauffälligkeit und psychische Erkrankungen aufweisen. Darüber hinaus gibt es viele SportlerInnen, die im Laufe ihres Sportlerlebens Abnutzungserscheinungen und Verletzungen erleiden, die zu nicht mehr reparablen Schäden führen.
Vor einigen Jahren wurde eine Empfehlung zur Prüfung für Menschen mit Behinderung herausgegeben. Diese soll dazu führen, dass Menschen behinderungsbedingte Schwächen ausgleichen und ihre Stärken zeigen können, wie es in einem System mit Selbstverteidigungscharakter selbstverständlich sein sollte. Eine ansprechende Leistung, um die Gürtelprüfung erfolgreich zu beenden, steht für alle Prüflinge ob Einschränkung oder nicht - außer Frage.
Im folgenden wird Sportkamerad Guiseppe D´Amico von einer Gürtelprüfung im VfL Waiblingen berichten, die Fabian, ein 13-jähriger Junge mit sogenanntem Down-Syndrom, abgelegt hat. Dies ist ein Beispiel dafür, wie Integration im Ju-Jutsu-Verein gelebt werden kann.
Mein Respekt geht an Fabian für seine erbrachten Leistungen. Herzlichen Glückwunsch! Weiter ein besonderer Dank an seine Trainerinnen und Trainer sowie seine Trainings- und PrüfungspartnerInnen, ohne welche die gezeigte Leistung nicht möglich gewesen wäre.
Kontakt:
Sascha Vetter
Telefon-Nummer: 09081/257342
Email: sascha.vetter@addcom.de
Bitte sendet mir Informationen über SportlerInnen mit Einschränkung in Vereinen des DJJV e. V. bzw. über Kooperationen mit Personen mit Behinderung bzw. Institutionen zu.
Bericht von Guiseppe D´Amico:
Außergewöhnliche Kyu-Prüfung beim VfL-Waiblingen
Wie immer vor den Sommerferien fand auch in diesem Jahr eine Ju-Jutsu Kyu-Prüfung statt und zwar eine etwas außergewöhnliche Prüfung.
Außergewöhnlich, da sich unter den 17 Ju-Jutsuka, die sich bei hochsommerlichen Temperaturen der Prüfung zum nächst höheren Gürtel stellten, Fabian, ein 13-jähriger Junge mit Down-Syndrom befand.
Außergewöhnlich, da es nicht selbstverständlich ist, behinderte Menschen im Verein zu integrieren.
Außergewöhnlich, dass es Fabian mit viel Anstrengung, Spass und Eifer gelungen ist, in dieser Sportart so weit zu kommen.
Ju-Jutsu ist eine gesunde und schöne Freizeitbeschäftigung für Fabian.
Gewisse Rituale beim Ablauf des Trainings passen prima in Fabians Konzept. Feste Strukturen geben Sicherheit. In den Verhaltensregeln des Ju-Jutsu heißt es u. a. sei höflich, rücksichtsvoll, kooperativ, freundlich und diese Regeln werden tatsächlich von allen beachtet.
Man könnte eine Gruppe erleben, in der Integration selbstverständlich praktiziert wird.
Trotz Hitze waren alle in bester Stimmung, was nicht zuletzt den Prüfern, Andreas Perthen aus Bietigheim/Bissingen und Martin Wamsler aus Waiblingen, zu verdanken war.
Beeindruckend, das gute Zusammenspiel der Beteiligten, die konzentriert bei der Sache waren.
Nach 3-stündiger Prüfung konnte allen Teilnehmern die neue Urkunde überreicht werden.
Ein tolles Erlebnis, nicht nur für Fabian, der durch Willenskraft und Können sein Ziel, den 4. Kyu-Grad, erreicht hat.
Mit diesem Bericht möchten wir Vereine und Sportschulen ermutigen, sich auf diese spannende Aufgabe, die Integration behinderter Menschen, einzulassen.